Freitag, 6. Mai 2016

Bitcoin statt Euro

Bargeld: Bitcoin statt Euro

Den 500-Euro-Schein hat die Europäische Zentralbank bereits abgeschafft. Ist das nun das Ende des Bargelds? Und wie sähe eine Welt ohne Scheine und Münzen aus?
Taugen Geldscheine bald nur noch als Kleidungsersatz? © Regis Duvignau/Reuters
An U-Bahnhöfen und einigen Parkautomaten funktioniert es längst: Einfach Bankkarte einstecken, schon wird das Geld abgebucht und das Ticket ausgedruckt. Auch im Supermarkt oder im Klamottenshop wird bereits häufig mit Kreditkarte bezahlt. Nur beim Bäcker und beim Zeitungskiosk muss man noch nach Kleingeld kramen, und der Kellner im Café ärgert sich, wenn man nicht wenigstens ein paar Münzen für ihn liegen lässt. Ansonsten funktioniert unser Leben schon ganz gut ohne Bargeld. Und vielleicht werden wir uns schon bald daran gewöhnen müssen, dass es gar keine Scheine und Münzen mehr gibt. Den 500-Euro-Schein will die Europäische Zentralbank ab 2018 nicht mehr drucken. Außerdem prüfen einige Zentralbanken bereits, wie eine Zukunft mit rein elektronischem Geld aussehen könnte.
Aber was wäre die Folge? Geben die Zentralbanken künftig nur noch virtuelles Geld aus, in Form von Nullen und Einsen? Die würden dann von den Zentralbankrechnern zu den Bankrechnern tickern und von dort auf die Girokonten der Bankkunden gebeamt. Wer künftig am Geldautomaten steht, bekäme dann keine Banknoten mehr, sondern eine Ladung Bits und Bytes auf seine Karte gespeichert, die er von den Läden dieser Welt wieder heruntersaugen lassen kann. Die Zentralbanken müssten keine Scheine mehr drucken und mit Lastwagen im ganzen Land verteilen. Der Kunde hätte vielleicht auch weniger Arbeit und könnte seine Bankkarte womöglich sogar am heimischen Computer mit Kryptogeld aufladen, oder sein Handy, oder seine Smartwatch.
Es könnte ähnlich funktionieren wie beim Bitcoin, den es als Computerwährung seit sieben Jahren gibt. Rechner in aller Welt generieren Bitcoins mit einer speziellen Software. Indem sie eine komplizierte mathematische Aufgabe lösen, schicken sie ständig neue Einheiten dieser Digitalwährung in die Welt. Nur mit enormer Rechenpower lassen sich neue Bitcoins schürfen, und nach rund 21 Millionen Bitcoins ist Schluss, das haben die Entwickler festgelegt. Derzeit sind rund 15 Millionen Bitcoins im Umlauf mit einem Wert von umgerechnet gut sechs Milliarden Dollar.

Der Bitcoin ist nicht preisstabil

Jeder, der den Gegenwert laut aktuellem Umtauschkurs dafür bezahlt, kann sich ein paar Bitcoins auf seinen Rechner laden und damit in vielen Läden und Onlineshops weltweit bezahlen. Was die Digitalwährung für viele so interessant macht: Jede Transaktion wird über ein großes Rechnernetzwerk abgewickelt. Im Moment der Datenübertragung (also auch der Geldübertragung) tauschen alle Rechner anhand der winzigen Datenpakete, die auf ihnen abgelegt sind, Informationen aus und bestätigen, dass der Bezahlvorgang seine Richtigkeit hat. So ist garantiert, dass der Bezahlende über das nötige Geld verfügt und der Empfänger es auch bekommt. Blockchain heißt die zugrundeliegende Technologie – eine Art dezentrales, praktisch fälschungssicheres Logbuch aller jemals getätigten Transaktionen. Anders als oft behauptet ist Bitcoin kein anonymes Zahlungssystem. Aber immerhin ist es unabhängig von staatlichen Stellen.
Das wäre ein Euro-Bitcoin natürlich nicht, denn der würde von Zentralbanken ausgegeben. Eine wirkliche "virtuelle Währung" wäre er damit nicht, sagt ein Sprecher der Bundesbank. Den Euro gebe es ja auch ganz real. Konkrete Pläne für eine digitale Währung existieren bei der Bundesbank noch nicht: "Sie dürfte auch in naher Zukunft nicht zu erwarten sein", so der Sprecher. Sollte allerdings künftig ein Digital-Euro auf Basis der Blockchaintechnologie angedacht werden, wären noch viele Fragen offen:
Wer sendet die digitalen Daten auf die vielen Rechner? Wer hätte Zugriff auf die Rechnerkette – wäre sie für alle offen und damit manipulationsanfällig, oder kämen nur ausgewählte Nutzer dran? Wer verwaltet die Daten und pflegt Änderungen ein? An solchen Fragen arbeitet man in Frankfurt: "Die Bundesbank befasst sich derzeit vor allem mit der zugrunde liegenden Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologie, um eine mögliche Anwendung im heutigen Zahlungsverkehr besser bewerten zu können", sagt der Sprecher. Mit der Technologie können Zahlungen sehr schnell abgewickelt werden – ohne Intermediäre wie Banken oder Börsenhandelsplätze.
Einen Knackpunkt sieht die Bundesbank aber bereits: "Notenbanken geben grundsätzlich Zentralbankgeld aus und zwar in Form von Bargeld (derzeit sind im Eurosystem knapp 1,1 Billion Euro in Umlauf) sowie in Form von Buchgeld (die Guthaben von Kreditinstituten bei den Eurosystem-Zentralbanken betragen fast 600 Milliarden Euro)." Wenn die Notenbanken das Zentralbankgeld ausgeben, sind sie an die Regelungen des EU-Vertrages gebunden. Sie müssen unter anderem Preisstabilität gewährleisten, dazu haben sie sich verpflichtet. "Dieses konnte in den zurückliegenden Jahren auch erreicht werden. Im Gegensatz dazu zeichnen sich virtuelle Währungen – wie Bitcoin – durch starke Kursschwankungen aus, die eben keine stabile Wertentwicklung bedeuten", schränkt die Notenbank ein. Die fehlende Stabilität ist die große Schwäche des Bitcoins, dessen Umtauschwert seit 2014 zwischen 180 und 670 Dollar schwankte. Für Deutschlands Notenbanker gibt es daher nur eine Schlussfolgerung: Eine digitale Währung auf Basis der Blockchaintechnologie könne nur eine digitale Variante der herkömmlichen Währung sein. Ein digital verarbeiteter Euro sozusagen.